Wenn es interessiert, kann ich nach ein paar Wochen mal meine Erfahrungen und Unterschiede posten.
So, die ersten Fahrten und somit Erfahrungen habe ich gemacht. Und möchte nun darüber posten.
Ich habe vorher eine Deauville NT700, Baujahr 2008 mit ABS gefahren. Ich hatte die große Scheibe von Givi dran und den Originalfußschutz von Honda.
Der größte Unterschied zwischen beiden Modellen liegt im Gewicht und bei der Motorleistung. Die 420 kg der Goldwing sind schon eine Herausforderung. Das Gewicht liegt zwar schön tief, aber man muss sich erstmal daran gewöhnen. Sie ist ein richtiger Dampfer. Die Deauville lässt sich immer absolut neutral fahren. Wenn der Tank voll ist, wird sie etwas kopflastiger. Bei der Goldwing ist das anders. Mit vollem Tank wird es leichter sie zu fahren. Das liegt wohl daran, dass der Tank unter dem Fahrersitz liegt. Bei normaler Fahrt ist die Goldwing in Kurver immer noch sehr handlich, hat aber nicht die Leichtigkeit der Deauville. Anders ist das beim rangieren und langsamen fahren in engen Kurven. Hier neigt die Goldwing dazu, plötzlich in den Kurvenmittelpunkt hinein zu fallen. Dieses Verhalten kenne ich von der K75 RT. Es ist natürlich auch eine Übungssache, aber da ist die Deauville wesentlich unproblematischer. Ich habe jetzt mal die 1250er Bandit meines Sohnes mit 275 kg gefahren. Die kam mir immer schwerer als die Deauville vor. Jetzt, nach der Gewöhnung an die Goldwing, habe ich das Gefühl, dass die Bandit ein leichtes Spielzeug ist.
Wie erwartet ist die Motorleistung der Goldwing einfach genial. Egal in welchem Gang, ein bisschen Gas geben und schon marschiert die Goldwing ab. 1200 U/Min, kein Problem. Ab 50 im 5. Gang, kein Problem. Abbiegen im dritten Gang, kein Problem. Zu Anfang habe ich immer einen Gang zu tief runtergeschaltet. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt weniger zu schalten. Selbst beim Überholen auf Landstraßen brauche ich nicht runter zu schalten. Die Beschleunigung liegt dann immernoch auf dem Niveau wie bei der Deauville, wenn ich 2 Gänge runter geschaltet habe. Die Leistungsentfaltung der Goldwing ist absolut gleichmäßig und beim Ausdrehen der Gänge sprintet sie brutal nach vorne. Aber dafür ist sie nicht gebaut. Der Motor läuft wunderbar weich, das Getriebe schaltet sich leicht und geräuschlos. Dazu kommt, dass der Motor richtig leise ist, aber einen genialen Sound hat. Auch im Zwei-Personen-Betrieb ist der Motor nie richtig gefordert. Das ist ja bei der Deauville völlig anders und war für mich einer der Gründe, eine stärkere Maschine zu kaufen.
Die Verkleidung hat einen richtig guten Wind- und Wetterschutz. Vorallem die Hose und Stiefel bleiben erstaunlich trocken. Im Vergleich mit meiner hohen Scheibe von Givi an der Deauville, wird der Helm bei Regen deutlich nasser. Vielleicht kaufe ich mir doch noch eine größere Scheibe für die Goldwing, aber das muss mein Schatz mitentscheiden. Denn die sitzt hinten etwas höher und hat dadurch auch mehr Windzug. Was ich an der Goldwing richtig klasse finde, sind die Griff- und vor allem Sitzheizung. Man muss es zwar nicht haben, aber gerade beim längeren Fahrten und niedrigen Temperaturen macht das eine Menge aus. Die Fußheizung (2 Klappen öffenen sich in der unteren Verkleidung und lassen die heiße Luft von den Krümmern an die Füße strömen) bringt wirklich wenig. Zumindest merkt man keine Erwärmung. Das hatte ich aber auch nicht anders erwartet.
Der Sitzkomfort ist einfach genial. Während ich und auch meine Frau auf der Deauville bei längerem Sitzen nach etwa 3 Stunden erste Druckschmerzen bekamen, kenne wir das von der Goldwing überhaupt nicht. Aber hier fehlen auch noch die richtigen Langstreckenerfahrungen über einen ganzen Tag. Dennoch ist der bis jetzt festgestellt Unterschied gewaltig.
Das Licht an der Deauville ist für ein Motorrad schon klasse. Wird aber von den Doppelscheinwerfern der Goldwing getoppt. Gerade bei Kurvenfahrten bleibt die Straße deutlich besser ausgeleuchtet.
Neben dem Beschleunigen und fahren muss man auch zum stehen kommen. Und in diesem Punkt ist die Deauville etwas besser als die Goldwing. Zwar hat die Goldwing das Dual-CBS, das heißt es bremsen immer die Vorderrad- und Hinterradbremse mit und hinten ist eine innen belüftete Bremsscheibe, aber man muss immer deutlich fester am Hebel ziehen, bzw. das Pedal herunter treten. Und auch im nassen ist dauert es gefühlt etwas länger, bis die Bremsen richt ansprechen. Es ist nichts gefährliches, aber im direkten Vergleich schon zu merken. Über die Bremswege kann ich nicht viel sagen, da ist die Deauville schon Spitzenklasse und es gibt kaum ein Motorrad, das da mithält.
Der Verbrauch bei der Goldwing liegt erfahrungsgemäß höher. Bei der Deauville habe ich zwischen 4,5 und 5,5 Liter verbraucht. Die Goldwing liegt bisher bei 6,5 Liter. Wieweit das höher oder tiefer geht, kann ich noch nicht beurteilen. Die Tankuhr ist recht genau mit vielen Strichen, an denen man sich orientieren kann. Ich habe bislang das Gefühl, dass gerade in der Stadt der Verbrauch sehr hoch liegt, während beim Überlandfahrten auf gut ausgebauten Bundesstraßen und Tempomateneinsatz der Verbrauch richtig runter geht.
Mein Fazit bis jetzt:
Die Goldwing ist ein fazinierendes und einzigartig komfortabeles Motorrad. Für mich war der Umstieg absolut richtig. Den die vielen Langstreckenfahrten, mit meiner Frau hinten drauf, haben bei der Deauville durch die fehlende Motorleistung und damit verbundenen höheren Drehzahlen und Geräuschen den Spaß deutlich eingeschränkt.
Die Goldwing ist Luxus pur, während die Deauville eines der vernünftigsten Motorräder ist. Ohne die Deauville wäre ich vermutlich nie zur Goldwing gekommen. Über die Kosten brauche ich hier nicht viel zu sagen. Die Deauville ist einzigartig günstig und Luxus will bezahlt werden. Mir ist das den Preis wert und leisten kann ich es mir jetzt auch, wo jetzt meine 5 Kinder erwachsen sind und auf eigenen Füßen stehen.
Ich könnte noch vieles mehr aufführen, aber das hier ist ja ein Deauvilleforum und für einen kleinen Vergleich sollte das reichen. Und mehr will ich ja auch nicht.