@hansQ:
... ich bin auch gespannt auf die Geschichten,
hört sich nach Seemannsgarn an...
Ok, Hans, hast mich überredet. Hier mein Teil 1, danach ist der Elbland-VILLEr dran

:
Eine lustige Geschichte mit meinem Wartburg geht so:
Nach vielen Jahren kam der Onkel (aus Rheinl.-Pfalz) meiner späteren Frau in den Osten zur Familie auf Besuch und ich hatte das Glück, sehr seltenen Kurzurlaub von der NVA zu erhalten. Glücklich, wie ich ohnehin schon mit einem eigenen Auto war (der war schon 25Jahre alt!!) und dazu noch einen NVA-Urlaubsschein von Freitag 17 Uhr bis Dienstag 6 Uhr in Händen zu halten, düste ich nach dem Start in die erste Rechtskurve hinter dem Ortsausgang der Garnisonsstadt und da war´s passiert. Eine lange schon sichtbare "Leinwandzerrung" an der Reifenkarkasse des schon betagten Diagonalreifens hinten links führte ohne Vorwarnung in dieser Kurve zu meiner ersten Knallpanne bei 90 km/h. Glück gehabt!
Mein ebenso betagtes Ersatzrad (das sah auch nicht viel besser aus

) brachte mich glücklich nach Hause zu meiner Verlobten. Da man nun glücklich vereint war, beschlossen meine Schwiegereltern, den mitgereisten beiden 12 bzw. 14jährigen Cousins meiner Verlobten die nähere Umgebung zu zeigen. Gut, machen wir. Der 12- Jährige hatte mehrfach während dieser Fahrt nichts Besseres zu tun, als laufend hinten die Fensterkurbel zu betätigen, bis statt der Scheibe urplötzlich die hintere rechte Tür aufsprang und er uns fast aus dem Auto fiel (unsere Autos hatten damals hinten keine Gurte

). Glück gehabt!
Zum Abschied (ich musste ja Dienstag früh wieder in der Kaserne sein

) begossen wir Montag den gelungenen Besuch und der Onkel schenkte mir ständig und voller Freude nach, bis ich mich gegen 23 Uhr müde und stark angeschwipst zurückzog. Ich musste um 3 Uhr morgens aufstehen, da um 6 Uhr mein Dienst in der Kaserne begann und ich noch gut 140 km vor mir hatte. Alles geklappt, nicht verpennt und schon um 3.20 Uhr auf der Autobahn, wenn da dieses komische Geräusch vom Motor nicht wäre, als kämpfte der 1000ccm-Zweitakter gegen einen starken Orkan direkt von vorn??

. Also nächste Parkbucht rechts ran, anhalten. Ein kurzer Rundgang brachte es an Licht: Trommel-Bremsen total heiß, besonders an der Vorderachse (weil Duplex). Bremspedal total hart, der Wagen bremste sich selbst und ließ sich weder schieben noch auf diese Art weiter bewegen, weil der Zeiger meiner KM-Temperatur-Anzeige schon im roten Feld war. Guter Rat war jetzt teuer...ich musste um 6 Uhr in der Kaserne sein und vor mir lagen noch 120 km

. Lösung: 9mm-Maulschlüssel zur Hand und vorne beide Entlüftungsschrauben kurz geöffnet, um Bremsflüssigkeit abzulassen. Mit einem 14mm-Schlüssel verstellte ich noch zusätzlich alle 4 Exzenter der Backennachstellung an den beiden vorderen Bremsplatten. Das Problem dabei war, dass ich ständig meinen noch seeeehr schweren Kopf nach unten nehmen musste, um hinter die eingeschlagenen Vorderräder zu kommen. So fuhr ich endlich nach gut 30 min. und abgekühlten Bremsen weiter.
Nur meine KM-Anzeige zeigte wieder sehr hoch an

. Erneuter Stop, nachschauen: es roch so, wie austretender Kühlmitteldampf eben riecht. Im schimmernden Licht der Motorraumbeleuchtung (die hatten nicht mal 20 Jahre später meine VW´s

) erkannte ich, dass eine die Lötstelle des Oberkastens am Messingblech-Kühler das Kühlmittel bzw. den Dampf austreten ließ. Der KM-Spiegel bewegte sich gerade so an den Öffnungen zu den senkrechten Kapillarröhren, d.h. der gesamte Oberkasten war leer. Es gab jetzt nur noch eins: Jetzt weiterfahren, komme, was wolle!
Ich stand pünktlich um 6:02 Uhr umgezogen zum Frühsport in der Antreteordnung und denke heute noch oft an dieses erste Auto und an den 3000m-Lauf im Frühsport mit fettem Brummschädel.
Übrigens war das sogenannte Bodenventil am Hauptbremszylinder Schuld an allem: zugesetzt und total verdreckt ließ es zwar beim Bremsen die Bremsflüssigkeit in Kolbenrichtung zu den Radbremszylindern über den vorgesehenen Ölkanal strömen aber dann nicht mehr zurück zum Vorratsbehälter, sodass sich die Bremse "aufpumpte", immer härter und heißer wurde, als stünde man ständig drauf

. Ich habe an diesem Auto viel über Autos gelernt

.
Ville Grüße, Sven