
Tour der Superlative am Dienstag dem 30.08.2011
Ganz spontan, weil alles irgendwie zusammen passte, das Wetter, die Temperaturen und natürlich auch außerhalb der Ferienzeit, wagte ich die Tour der Superlative.
Start der Tour war vor dem Sonnenaufgang (5.30 Uhr ) in Trossingen. Jetzt musste zuerst einmal Kilometer auf der Autobahn, und auf der Bundesstraße am Bodensee entlang abgespult werden.
Schon nach 1 Std. Fahrt gab es in Fischbach am Bodensee die erste Pause in einer Bäckerei mit dem heiß ersehnten Frühstück. Jetzt aber gut gestärkt, wollte ich so schnell wie möglich endlich in die Berge kommen. Das einzige Hindernis war dann nur noch der Pfändertunnel, aber was soll’s, einfach mal 10 min. die die Luft anhalten und die Zähne zusammenbeißen, schon war die Welt wieder in Ordnung. Entlang des Bregenzerwaldes tauchte ich dann endgültig in die Alpen ein, und ab jetzt konnte meine Genussfahrt beginnen. Der Arlberg bietet sich geradezu an, sich an die Pass,- und Bergstraßen zu gewöhnen, aber an so schöne Dinge muss man sich nicht gewöhnen, sonder man fängt gleich an die Bergstraßen zu genießen.
Bei Landeck ging es dann in das Inntal vorbei am Kaunertal und an Samnaun. Nein, nicht ganzvorbei, die erste Tankstelle hier im Zollfeigebiet, habe ich noch gestreift. Hier führt eine sehr schöne Passstraße hinauf nach Spiss, auf einmal kommen die Warnschilder, dass man die EU verlässt, und in dieses Zollfreigebiet nur mit gültigen Ausweispapieren darf. Aber kaum eingereist in den hochkontrollierten EU „Außenposten“ fuhr ich ab auf die Schweizerzollstraße hinunter nach St. Martina. Hier ging es dann nach den obligatorischen Tanken ( Super 1,08 € ) vom zollfreien Gebiet in die Schweiz, und dann gleich wieder auf einer guten Serpentinenstraße hinauf zur Norberthöhe und über Nauders zum Reschenpass . Hier am Reschensee musste ich ja unbedingt noch ein Bild von der versunkenen Kirche machen, also gleich an vorderster Front geparkt, und Foto gezückt, aber bis ich fotografiert hatte, hatte mich eine Gruppe Engländer total zugeparkt. Jetzt hatte ich also alle Zeit der Welt, mich auch noch als Fotograph für die Engländer herzugeben, und als sie mich noch ganz höflichst mit Sir betitelten und fragten ob sie hinter mir bis zum Stilfzerjoch her fahren dürfen, konnte ich mich einfach nicht mehr von ihnen trennen. Es sah irgendwie komisch aus ich mit meiner 650 er und hinter mir lauter Hubraumgiganten wie Triumph Rocket u.s.w schon bald hatte ich das Gefühl eine ganze Armee mit Panzer fährt hinter mir, und selbst meinen schnurrigen V 2 konnte ich nicht mehr richtig verstehen. Wie versprochen lotste ich sie bis nach Trafoi, da hielt ich dann an und schrie: „ We see us on the Top „. Nach so langer Zeit wie ich zum letzten mal hier war wollte ich die Auffahrt mit ihren 48 Kehren in aller Ruhe genießen. Eigentlich wollte ich dann den Umbrail wieder hinunterfahren, und über Davos den nächsten Weg zurück, da es aber erst 11.30 Uhr war als ich vom Stilfser Joch weiterfuhr, entschloss ich mich kurzfristig, über Bormero und der zweiten Zollentklave Livigno zu fahren. ( hier kostete das Super sogar nur 1,07 € ) Total im Rausch der Bergwelt und im Pässe Fieber konnte ich mich schon wieder nicht entschließen, den kürzeren Heimweg über den mautpflichtigen Tunnel zu nehmen, sondern bog einfach ab zum Forcola de Livigno und über den Beriniapass nach St. Moritz. Hier musste ich mich wieder spontan entscheiden, entweder der schnellere Jullierpass, oder den etwas spektakuläreren Albulapass Richtung Lenzerheide. Da konnte ich mich auch nur noch für den Albula entscheiden, obwohl mir bei letzten mal auf dieser Schlaglochstrecke eine Coladose im Topcase „ explodiert „ ist. Inzwischen wird aber schwer an dieser Strecke gebaut, und die schlimmsten Abschnitte sind neu geteert. An gerade so einer Baustelle stehe ich an einer Ampel, als ein italienisches Edelbike mit Deauville im Anhang die Baustelle herauf kommt. Ich werde sofort erkannt, obwohl ich immer noch nicht weiß, wer mir da so innig zuwinkt. Jetzt erst erkenne ich das der Fahrer vom italienischen Edelbike doch der Clemens ist, und der Deauville Fahrer ist der Martin. Also, schnell noch mitten in der Baustelle, eine kleine Wiedersehensparty abgehalten, und sich gefreut wie klein doch die Welt ist.
Über Tiefencastell geht es über die Höhenstrasse Lenzerheide weiter nach Chur. Hier herrscht überall zähfließender Berufsverkehr, so daß ich nicht anders kann als auf die Autobahn zu fahren, aber in Maienfeld bin ich schon wieder auf der Landstraße, hinauf zum Luzisteig und wieder hinunter ins Fürstentum Lichtenstein. Durch die Hauptstadt Vaduz geht es eigentlich gut mit dem Verkehr, und wieder wird ein kurzfristiger Entschluss geplant, das es ab jetzt durchs Toggenburgerland hinauf nach Wildhaus, und über Wattwiel und Weil nach Konstanz geht. Diese Strecke zieht sich aber unendlich lang, da es viele Ortsdurchfahrten und Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt, genieße aber total die liebliche Alpenvorlandschaft, bis ich endlich wieder in Konstanz bin. So, hier endet meine Genusstour, und die Autobahn hat mich wieder zur Heimreise.
Fazit:
Zu keiner Zeit lies ich mich auf eine sportliche Fahrweise ein, und habe somit 3 Radarstationen souverän durchfahren. Ich fühlte mich auch mit kurzen Pausen immer frisch und ausgeruht. Meine Sitzbank hat gute Dienste geleistet, da mein Hinterteil für mindestens noch weitere 100 km gut gewesen wäre, lediglich meine linke Hand fing an sich bemerkbar zu machen, da sie einfach zu viel gekuppelt hat.
Hier noch einige Daten zur Tour der Superlative:
809,8 km Gesamtlänge , und den 2 höchsten Pass der Alpen ( gefahren an einem Tag )
Insgesamt 14 Pässe und Höhenstrassen überquert. ( davon 6 über 2000 m )
In 5 souveräne Länder gefahren ( D , A , I , CH , FL ,)
2 zollfrei Länderzonen ( Samnaun und Livingno )
1 Landeshauptstadt ( Vaduz )
9 Bundesländer befahren: Baden – Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Tirol, Südtirol, Lombardei Engadin , Graubünden, St. Gallen,
Ankunft zuhause : 21.20 Uhr
Bevor einer fragt !
„Ja“ , es war schon etwas verrückt, aber schön war’s.
Gruß Walter