vor ein paar Monaten hatte ich versprochen, einen weiteren Bericht zu schreiben. Hier ist er:
Das Ende einer Reise
oder
Indien aus nicht erwarteter Perspektive
Ich sah dem Fahrer ins Gesicht, der Aufprall war unvermeidlich. Mein Ausweichversuch mit der ENFIELD endete in einer Katastrophe weil der Indische Taxifahrer versuchte in dieselbe Richtung zu flüchten. Dann der fürchterliche Aufprall, der Flug über die Motorhaube und danach der harte Aufschlag auf den Boden. Ich schien unverletzt, konnte sofort aufspringen und meine Frau Janny suchen. Dicht bei mir lag sie auf dem Rücken. „Janny, lebst Du noch?“ Die Antwort: „Mein Bein!“ Glücklich war ich, sie lebte noch!
Es war am 26.02.04, um 07:01:51 UTC blieb das GPS stehen, das Stromkabel war gerissen. Meine Frau hatte gerade die ersten sieben Stunden ihres 61sten Lebensjahres hinter sich.
Sonntag, 22.02.04 Flug nach Goa
Gegen 15:00 Uhr wurden wir unruhig, wir packten unsere leichte Tasche und fuhren mit der S-Bahn 45 Minuten zum Flughafen. Janny war am Freitag mit einer großen Menge Blumen von ihrer Schule zurückgekommen. Ihr letzter Arbeitstag! Reinhard hatte einen irren Liegestuhl gebaut. An der Rückseite der Lehne ein Saiteninstrument, darin sollte sie unter Wohlklängen die Rentenzeit verbringen, ich sollte dahinter sitzen und die Saiten zum Klingen bringen.
Meine Pläne waren, dem Schulstreß einen Indienurlaub entgegenzusetzen. Drei Wochen mit einer Gruppe durch Südindien, eine weitere Woche danach wollten wir alleine mit der ENFIELD durch Indien fahren.
In der Nacht hatten wir einen Aufenthalt in Sharjah in den VAE, beim Anflug konnte ich die Prachtstraßen sehen, deren vergoldete Laternen ich mit Käptn zusammen auf der R 1100 GS 2001 schon bewundert hatte.
Nach ca. einer Stunde ging es weiter. Pünktlich um 8:15 Ortszeit, das ist UTC +5:30 Stunden, landeten wir in Panaji. Inzwischen war es Montag, 23.02.04. Die Abfertigung „war zu bewältigen“, gab aber einen kleinen Einblick in die Indische Bürokratie. C. B. hatte einen Wagen gesandt, der uns und Harald mit Ute abholte.
Am Flughafen sahen wir, daß hier die Indische Armee eine größere Menge an Schrott abgestellt hatte. Der Flughafen von Panaji, das ist die Hauptstadt von Goa, wird militärisch und auch zivil genutzt.
Wir hatten eine ca. einstündige Fahrt vor uns. Da erlebten wir einen ganz kleinen Eindruck vom Chaos des Indischen Verkehrs. Papu, der uns fuhr, bewältigte den starken Verkehr mit viel Hupen und Überholvorgängen. Das war ein Erlebnis, das mir sehr viel Respekt einflößte. Ute gelang es uns zu zeigen, wie welterfahren sie ist, ein Kontakt mit den kleinen Deppen aus Bayern war nicht vorgesehen. Das war unser erster, aber völlig verkehrter Eindruck von Ute.
Wir kamen in einem kleinen Paradies an. Assagao Pos. N15° 35,858‘ E073° 46,276‘
Bibi begrüßte uns, wir bekamen Frühstück und genossen die Hitze. Die Freude über das Klima wurde leicht getrübt, als uns Bibi erzählte, daß alle Gebäude nach der Regenzeit neu geweißelt werden müssen, sie schimmeln dann einfach.
In einem „Baumhaus“ bezogen wir unser Quartier. Eine Hütte mit Bambusflechtmatten, einfach auf eine Toilette / Dusche aus Steinen aufgesetzt. Hier konnten wir zufrieden sein.
Am Nachmittag fuhren wir unter Martins Anleitung mit den Enfields zum „Aufwärmen“ ein bißchen durch die Gegend. Er zeigte uns einen Cashew-Baum mit Früchten. Oben auf der Frucht ein pflaumenförmiges, grünes Gebilde, eßbar, darunter die Nuß.
Das Fahren auf der linken Seite war erst etwas gewöhnungsbedürftig, dann klappte es aber recht gut. Der Start der ENFIELD auch etwas ungewöhnlich: Zündung einschalten, Dekompressionshebel ziehen und langsam durchtreten, bis das Amperemeter auf NULL fällt. Dann einen kräftigen Tritt auf den Kickstarter und die ENFIELD läuft wie ein alter Lanz. Später lernte ich, daß der Tritt sanft ausfallen muß. Papu zeigte mir, daß er die ENFIELD sogar mit der Hand durch Druck auf den Kickstarter starten konnte.
Dicht neben unserer Unterkunft wurde ein mehrstöckiges Haus gebaut. Frauen trugen das Wasser in Krügen auf dem Kopf zum Betonmischer. In Körbchen auf dem Kopf trugen andere Frauen den Beton auf die Decke des ersten Stocks, ein Mann kippte den Korbinhalt in die Form eines Fenstersturzes. Zwei weitere Männer stocherten ganz ruhig mit langen Stangen die Luftblasen aus dem Beton.
Vor dem Haus stand eine lebensgroße Stoffpuppe, sie entspricht unserem Richtkranz. Die Puppe soll böse Geister abwehren.
Abends ein ganz besonders feines Willkommensbuffet, es war ein Genuß. Die Indischen Frauen hatten den ganzen Tag lang in der Küche gearbeitet und was Feines zusammengestellt. Wir lernten unsere Mitreisenden kennen.
Horst erzählte, daß er aus Erfahrung lieber Ausbildungsabgabe zahlen würde, als wieder Lehrlinge einzustellen. Auch mit der Einstellung eines Behinderten würde er sich zukünftig sehr zurückhalten. Die Erfahrungen in seiner kleinen Firma waren nicht gut.
Horst humpelte noch stark, auf einer Ausfahrt hatte es ihn erwischt. Trotz allem, er hatte Glück, mit Helm und Schutzkleidung waren die Folgen eines Sturzes reduziert.
Wir lernten Ellen kennen. Eine Reiseleiterin, die versuchen wollte in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Insgesamt ein netter Abend.
Fortsetzung folgt einigen Tagen. Ich möchte noch ein paar Fotos raussuchen. Das dauert seine Zeit.
Gruß janus