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Clemens HD

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1

Sunday, August 29th 2010, 12:26pm

Ein Stück Spanien im Frühjahr - Teil 1-3

Hallo Zusammen,

ein kurzer Bericht über einen schönen Frühjahrsausflug


Sonntag, 14.03.10
Abfahrt

Das Urlaubsjahr fängt mit turbulenten Entwicklungen an. Überraschend viele Resturlaubstage drängen auf einen baldigen Abbau. Der geplante Korsika Motorrad-Urlaub löst das Problem nach Ansicht der Personalabteilung nur teilweise und so beschließe ich vor der Korsika-Tour noch eine solistische Tour Richtung Spanien zu machen machen. Dies kombiniert mit einer Tour auf dem Jakobsweg ab der französisch / spanischen Grenze Richtung Santiago de Compostella. Treffen werde ich dann die Korsikaner voraussichtlich im Port von Savona (Italien) am 25.03.10.

Startpunkt der diesjährigen Frühjahrstour ist die Auto-Verladestation in Neu-Isenburg. Netterweise fährt mich mein Freund Dominik mit Mercedes und Anhänger dorthin, da das Wetter weiterhin bescheiden ist. So verladen wir 18.30 Uhr das Motorrad, ich steige in den Zug um 19.40 Uhr und gegen 21 Uhr verlasse ich Neu-Isenburg Richtung Süden. Die Reise verbringe ich mit einem 62jährigen Pensionär der Justiz, der bereits mit 38 Jahren aufgrund des Stresses dienstunfähig wurde und schon bei der Ausfahrt die erste Flasche Rotwein öffnet. Ich steuere den Schinken und das Brot bei und so beginnt eine sehr angenehme Fahrt durch die regnerische Landschaft.

Die letzten Wochen und Monate waren anstrengend und so schlafe ich trotz der Schüttelei kurz vor Mitternacht in einen relativ tiefen Schlaf.



Montag, 15.03.10
Alte Freunde

Bei Sonne und starkem Wind werden die Fahrzeuge in Narbonne gegen 11 Uhr entladen. Ich starte mit 0-km auf dem Tacho nach Moux, wo ich Susanne und Holger im Las Clauzes besuchen will. Zuvor verabrede ich mich in Narbonne mit einem Harley-Fahrer aus Verl, dass wir am Sonntag Abend im spanischen Burgos ein Bier gemeinsam trinken. Rudolf ist wie ich in Spanien alleine unterwegs und so freuen wir uns beide auf eine Verabredung.

Im Relais d`Alharic von Moux erhalte ich das letzte freie Zimmer und bin völlig überrascht. Obwohl es von außen weiter aussieht, als ob es jeden Moment zusammenbricht, ist das Alharic in den Gästezimmern top renoviert. Neues Bad, neuer Boden und neue – wenn auch völlig kitschige – Ausstattung.

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Abends das gemeinsame obligatorische Abendessen mit Garnelen als Auftakt, dann dem üblichen Salat und als Hauptgang „beuf“ als Rundfleisch mit Broccoli-Auflauf und französischen Knödeln. Das abschließende Tiramisu konnte ich nur noch kosten. Hervorragende Küche mit hervorragender Unterhaltung im Kreis zahlreicher Motorradfahrer – was will man mehr !!

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Nach dem obligatorischen Blog-Eintrag noch etwas den Tourenfahrer gelesen und gegen Mitternacht eingeschlafen. Wecker auf 7 Uhr gestellt, schließlich will ich etwas vom Tag haben.




Dienstag, 16.03.10
Lourdes

Nach einer wunderbaren Nacht - das Alharic hat wohl auch neue Matratzen gekauft – Frühstück im Maison las Clauzes mit den anderen Motorradfahrern. Danach geht es über Carcasonne (kurzes Bild an der Aude-Brücke) in die Vorpyrenäen. Der erste sehr sehenswerte Stopp in Mirepoix, ca. 40 km hinter Carcasonne. Nach dem Cafe au lait Weiterfahrt zur Garonne und dabei immer die verschneiten Pyrenäen im Hintergrund als Begleiter.

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Nach rund 300 km komme ich am frühen Nachmittag in Lourdes an und beziehe mein Zimmer im Hotel „Nevers“ direkt an der Hauptstrasse von Lourdes. In den sehr beeindruckenden Kirchenbezirk sind es nur 5 Minuten zu Fuß und heute ist, trotz sehr schönen Wetters, kaum jemand da. So kann ich direkt in die Grotte laufen ohne von Ordnungshütern in Schlangen eingewiesen zu werden.

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Die drei Kirchen übereinander sind mehr als beeindruckend. Erst beim rausgehen aus dem Gelände erkenne ich, dass die größte der Kirchen (also die vierte) unterirdisch im Garten angelegt ist. Dies ist die größte Kirche die ich jemals gesehen habe. Dagegen ist die Audienzhalle in Rom eine kleine Kapelle. Auf dem Rückweg ein Cafe au lait und Sandwich eingeworfen. Hunger verspüre ich heute sehr wenig. Die Fahrt war zu schön um solche Gefühle aufkommen zu lassen.

Und die in der Sonne geschätzten 20 ° Außentemperatur geben natürlich den wohlligen Rest.

Das mobile Internet ermöglicht einen Blick in das Abendprogramm. Um 21 Uhr ist die tägliche Lichterprozession ab der Grotte angekündigt. Also nochmals hin und im lauen Abend gewartet. Vieles gesehen, aber keine Lichterprozession. So stecke ich die erworbene Kerze in den vorgesehenen Kerzenständer und gehe gegen 21.30 Uhr zurück ins Hotel. Auf dem Gelände des Kirchenbezirks (55 Hektar !!!) waren am Abend mehr Menschen als am Nachmittag. Eine faszinierende Stimmung. Friedlich, ruhig und sehr tiefgehend. Ein sehr schöner Abend.

Danach zurück ins Hotel „Nevers“. Den Rechner aus dem Motorrad geholt, Reisetagebuch geführt und etwas gesurft. Die Mitfahrer sind vor der Abfahrt zur Korsika-Tour zusehends nervös. Das Wetter ist nicht so angesagt, wie wir gehofft hatten. Waren wir`s mal ab. Gegen 23.30 Uhr Licht aus und ins Bett. Morgen geht es nach Spanien.


Mittwoch, 17.03.10
Altlantik

Um kurz nach ½ 5 Uhr ist die Nacht zu Ende. Irgendein LKW macht mehrere Minuten einen Höllenlärm im verschafenen Lourdes. Nachdem es wieder ruhig ist, schlafe auch ich bis gegen ½ 8 Uhr. Nach dem obligatorischen Telefonat mit meiner Frau ("mir geht es gut","ja, ich pass auf mich auf", "ja, ich bringe auch etwas mit" und "ja, ich bin in drei Wochen wieder da) und einem petit d`jeuner Abfahrt Richtung Pau. Die ersten drei Tankstellen sind geschlossen, kurz vor Pau gibt es den ersehnten teuren Sprit, der mir gleich ins Gesicht spritzt. Weiter geht es Richtung Orthez und von dort ins Gebirge. Ein kleines Städtchen verbreitet unverhofft die Reize und so mache ich noch auf französischem Boden eine ausgeprägte Kaffeepause. Weiter geht es nach Bayonne und Biarritz. Bayonne ist nicht sehenswert, Biarritz in toller Lage sehr mondän. Auf dem spanischen Grenzschild ist „Espana“ ausgekratzt, ein deutlicher Hinweis auf die Separatisten im Baskenland. In San Sebastian verfahre ich mich und komme von der N1 ab. Gott sei Dank, denn so finde ich eine Traumstraße auf die Mueseums-Bergbahn (Talstation) mit einer gesperrten Straße aber einem Traumblick auf San Sebastian und über den Leutturm.

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Weiter geht es zwischen der N 1 und dem Meer auf wunderbaren Straßen von denen nur zeitweise zu merken ist, dass diese unittelbar am Meer lang führen. Um 18 Uhr erreiche ich Mundaka, einen berühmten Surferort mit Europas bekanntester Welle. Dies ist unmittelbar vor der historischen Kapelle zu sehen, in den Bildern ist die draußen liegende Bohrinsel offensichtlich wegretuschiert. Nach zwei Bierra, leckeren Tappas und Calamares gehe ich kurz nach 21 Uhr zurück in die Appartmentanlage Mundaka. Diese hat, wie wohl der ganze Ort, seine beste Zeit schon erlebt. Allerdings ist das Bad tiptop und auch die Wohnung im Appartment ist für die rund 40 € in Ordnung. Zudem steht das Motorrad sicher in der Anlage. Was will ich mehr?

Heute waren es rund 320 km, die ich gefahren bin. Sehr abwechslungsreich mit den landschaftlichen Höhepunkten bei Biarritz und de letzten 40 km durch den spanischen Schwarzwald. Sehr beeindruckend und von mir in Spanien nicht erwartet.



Donnerstag, 18.03.10
Spanien

Um 7.30 Uhr startet der Tag. Das schöne Wetter ist vorbei, es sieht nach Regen aus. An der Halbinselspitze vorbei geht es in Richtung Bilbao. Ich beschließe aufgrund des einsetzenden Regens auf die Autobahn nach Haro zu fahren. Auf den Jakobsweg treffe ich in Santo Domingo de la Calanzara, wo die weltweit einzige Kirche ist, in der lebendige Hühner gehalten werden.

Anschlie0end fahre ich nach Burgos und bewundere Stadttor, Kathedrale, Klosteranlage und Pilgerdenkmäler.

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Weiter geht es nach Leon nicht wissend, dass rund 180 km einsame Landstraße bevor stehen. Sehr beeindruckend und ebenso einsam. Nicht jedermanns Geschmack, aber einmal muss man es erlebt haben.

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In Leon am ersten Hotel am Ort abgestiegen. Die 75 € incl. Motorrad-Garage gehen in Ordnung. Schließlich ist von hier alles erreichbar. Besonders eine sehr gemütliche und mit meiner Ausnahme ausschließlich von Spaniern besuchte Gastronomie.

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Morgen früh werde ich entscheiden müssen, ob nicht langsam eine Kursänderung angeraten ist. Nach Santiago hin und zurück bis Barcelona ist ein sehr, sehr weiter Weg für die wenigen Tage. Und eigentlich will ich erholt in Italien ankommen.
Heutige Fahrstrecke rund 400 km.


Freitag, 19.03.10
Regen

Die Frage was einen nordspanischen von einem griechischen Landregen unterscheidet ist schnell beantwortet. Der nordspanische Regen kommt überraschend, ist intensiv und bleibt umso länger. Beim Aufwachen in Leon ist die Ernüchterung groß. Dauerregen, alles zugehangen und keine Aussicht auf schnelle Besserung. So löst sich der Traum von Santiogo de Compostela schnell auf. Weitere 350 km in den Westen sind bei dem Wetter und der gebuchten Mittwochfähre Unsinn. So entschlie0e ich mich den Rückwärtsgang einzulegen und den Campino bis Santo Domingo de la Calanzara retour zu fahren. Im strömenden Regen komme ich in der Templerkirche an, dessen Tip ich dem Tourenfahrer entnommen habe. Den Namen des Ortes habe ich vergessen, ich bin jedoch etwa in der Mitte zwischen Leon und Burgos mitten im Niemandsland.

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In der dortigen Bar werde ich in die Geheimnisse der heimischen Griebenwurst eingeführt. Sehr fettig, in der Mikrowelle heiß gemacht und danach mit einem Stückchen Baguette serviert. Ein Schmaus für den der es mag. Übrigens: Caffee au lait heißt in Spanien Caffee Collette. Weiter geht es im Regen durch die eindringliche Landschaft der Marcheta. Vorbei bzw. mitten durch Burgos und dann immer weiter auf der N 120 – der „Campino de Santiago“, die allerdings mit dem Richtigen, teilweise heute völlig vermatschten Campino, nichts zu tun hat.

Die Pilger, die heute unterwegs sind haben meine ganze Bewunderung.

Am Ende des Tages komme ich erschöpft aber zufrieden in Zaragosa an. Hier am Ufer des Ebro ist nicht nur ein nettes NH-Hotel, sondern einer der für mich bisher beeindruckensten Plätze der Welt. Der Plaza de Pina beheimatet den Dom, eine weitere Prachtkirche, das sehr moderne Tourist-Info und viele Gebäude der hiesigen Regierung. Am Abschluss thront ein Brunnen (oder eher Wasserfall oder Wildbachlauf) von einmaliger Dimension, der nicht nur beliebtes Photomotiv und im Sommer kühlender Spender ist.

Kulinarischer Höhepunkt ist im spanischen Mc Donald, dem auf Tappas spezialisierten Las Palomas. Hier gibt es alles was das spanische Herz begehrt. Fisch, regionale Spezialitäten, Gambas, Muscheln, Fleisch, Obst und süße Nachspeise. Das ganze für 12,50 € das Buffet, mit einer ¾ Liter Flasche Wein und ½ Liter Wasser zahle ich am Ende rund 19 €. Eigentlich geschenkt !!

Im Hotel zurück geht es an die Führung des Tagebuchs. Petra noch zum Geburtstag gratuliert und am späten Abend noch mit Zuhause telefoniert.

Heute rund 500 km unterwegs gewesen. BMW sieht aus wie nach einer Schlammdurchfahrt.

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Clemens HD

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2

Sunday, August 29th 2010, 12:45pm

Ein Stück Spanien im Frühjahr - Teil 2

Weiter geht der Kurzbericht:

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Samstag, 20.03.10
Peniscola

Bereits kurz nach 9 Uhr verlasse ich Zaragoza (Sarragossa). Wie erwartet ist das Ebrotal massiv zugebaut. Viele, teilweise verlassene, alte Industrieanlagen durch die eine wie immer fast neue und perfekt ausgebaute Autovia führt. Es ist schon komisch. Bei uns haben die Städte und Gemeinden kein Geld mehr um Schlaglöcher auszubessern (eine Gemeinde hat sogar Schlaglöcher mit Erfolg in ebay versteigert) und in Spanien werden kaum genutzt Nationalstraßen vierspurig über hunderte von km ausgebaut. Ein Musterbeispiel ist die N 232, der ich jetzt durch das Gebirge zwischen Zaragoza und Peniscola folge. Hier wird Raubbau nicht nur an der Natur, sondern auch am Steuerzahler betrieben. Gleichzeitig verschwindet systematisch eine für Motorradfahrer und Touristen wunderschöne Bergstrecke in der Bauwut der Spanier. Höhepunkt der Strecke ist neben drei Pässen mit mehr als 1000 Meter auch die Stadt Morella. Diese liegt mit ihrer alten Bergfeste sehr markant auf einem der zahlreichen Hügel. Sicherlich eine Herausforderung für jeden Belagerer, die aber wahrscheinlich nicht erfolgreich enden wird. Ich fahre weiter Richtung Küste und lande zuletzt in Peniscola. Erst beim abendlichen Bummel durch die Altstadt wird mir klar, dass ich wohl in Spaniens schönster Kleinstadt gelandet bin. Und hier ist bereits im März ein Leben, das an der restlichen Küste erst in der Hochsaison erreicht wird.

Das ausgesuchte Hotel ist sicherlich auch für einen längeren Aufenthalt geeignet. Probleme habe ich nur mit dem Internetanschluss, der wie bei jedem Hotel auf unterschiedliche Art und Weise hergestellt wird.


Sonntag, 21.03.10
Ebrodelta

Beim Gedanken an das Ebrodelta habe ich über einen längeren Zeitraum ein Vogelparadies vor mir gesehen. Als ich gelesen habe, dass die spanische Regierung ein sehr großes Naturschutzgebiet dort ausgewiesen hat war ich mir sicher, dass ich dort eine Idylle pur vorfinden würde. Leider ist dem nicht so !

Bei der Fahrt in das Delta hinein habe ich mir als erstes Ziel das dortige Informationszentrum ausgesucht. Dieses liegt unmittelbar an einer Kanalmündung aus dem Hinterland in das Delta. Von dort sind viele Vögel, aber auch umliegende Gebäude der Landwirtschaft zu sehen. Bei der weiteren Fahrt durch das Delta ist schnell zu erkennen, dass es zunehmend viele und einschneidende Eingriffe in die Natur gibt. Höhepunkt ist eine Neubausiedlung in unmittelbarer Nähe zum Delta für Touristen. Eigentlich unglaublich !!!

Ich verlasse das Delta und fahre wieder auf die N 340. Die Straße wurde unter anderem berühmt durch den Tankerunfall von Taragossa im Jahr 1978. Über 300 Menschen starben, als ein mit Flüssiggas betankter LKW im überladenen Zustand zerbarst und sich das Gas auf den Campingplatz ausbreitete und anschließend entzündete. Seitdem dürfen Gefahrgut-LKW diese Straße nicht mehr befahren. Die Straße wird offensichtlich auch für einen anderen Verkehr genutzt. Anders kann ich mir die Anwesenheit einiger „Bordsteigschwalben“ nicht erklären.

Das Wetter wird zunehmend schlechter und so beschließe ich ein Hotel zu nehmen bevor der Regen einsetzt. Nach einiger Suche finde ich in Sitges das „Hotel Altemar“ das uneingeschränkt empfohlen werden kann. Gutes Zimmer, gute Frühstücksleistung und freundlicher Service für 56 € die Nacht. Das ganze 100 Meter vom Strand weg und ca. 10 Minuten Fußweg vom Zentrum. Hier ist nichts zu meckern.

Abends in die Altstadt von Sitges, die auch zu diesem Zeitraum richtig belebt ist. Eine wunderbare Tappa-Bar gefunden, die für 4 Tappas und zwei Glas Bier 5,60 € will. Ein schönes Preisniveau das ich hier nicht erwartet habe.

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Um 22 Uhr ins Bett und erstmals seit der Abreise deutsches Fernsehen genossen. Es gab Euro-Sport und SAT 1 in deutsch. Boxen interessiert mich nicht und sollte mir mal der Intendant von SAT 1 über den Weg laufen, so werde ich ihm erklären, wieso bei ihm niemand mehr zuschaut. Das ist Privatfernsehen der letzten Art und bestimmt nicht so wie in den 80er so gewollt.


Montag, 22.03.10
Muße am Mittelmeer

Ein Ruhetag sollte sein bevor die Korsika-Tour startet. Am späten Vormittag leihe ich mir in Sidges ein Fahrrad und radle 1 ½ Stunden durch die Küste.
Es ist wirklich sehr schön und ich sollte wieder einmal herkommen.

Nach führen des Reisetagebuchs der vergangenen Tage anschließend mit dem Ziel der bekannten Tapas-Bar zu Fuß in die Stadt gegangen.


Dienstag, 23.03.10
Hinterland

Gegen 8.30 Uhr zum Frühstück gegangen und festgestellt, dass in der Nacht rund 50 Japaner eingefallen sind, die wie auf der Flucht heute Montserrat und anschließend Tarragona zu besichtige haben. Ich dagegen habe es einfacher. Zunächst frühstücke ich in Ruhe, dann putze ich nur kurz das Motorrad und dann starte ich Richtung Montserrat. Es ist nicht zu glauben, aber als ich nach rund 70 km ankomme habe ich auf Montserrat genau 10 Meter Sicht. Ich stehe unmittelbar vor dem Eingang der Basilika und frage einen Ordner nach dem Weg !

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Ich komme gerade rechtzeitig zu einer Messe, die der Abt gemeinsam mit rund 30 Brüdern zelebriert. Es ist sehr beeindruckend und der Gesang ist einfach himmlisch. Nach der Messe stelle ich mich in die endlose Reihe der Besucher, die die Madonna aus dem 12. Jahrhundert, die gleichzeitig Patronin von Katalonien ist, sehen und berühren wollen.

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Nach dem Anbrennen von zwei Dankeskerzen (eine für den Urlaubsanspruch, eine zweite für das Motorrad) mache ich mich bei aufreißendem Wetter in Richtung Motorradparkplatz. Nach einem kleinen Imbiß (Schinken und Käse pur) mache ich mich auf den wunderbaren Weg hinab. Bereits nach ein paar hundert Metern verlasse ich die Hauptstraße wieder und fahre eine kleine Straße die Berge hoch. Bis zu dem angeschriebenen Aussichtspunkt traue ich mich nicht alleine, da ich nicht sicher war, ob ich alleine auf der Straßen wenden könnte. Den Test mache ich das nächste Mal, wenn wieder jemand dabei ist.

Über den Stammsitz von Freixenet, der im Hauptort des Cava-Anbaus ins Spanien liegt, fahre ich über wunderschöne Straßen zurück nach Sidges. Dort komme ich um 15 Uhr an, lege meinen 8 Tage Bart ab und gehe am frühen Abend auf die übliche „zu Fuß Runde“ in die Stadt, an der Tapas-Bar vorbei und mit einem Abstecher in das Internet-Cafe.

An Sidges habe ich mich innerhalb von drei Tagen sehr gewöhnt. Hätte ich bei einer spanischen Stadt nicht erwartet. Sollte ich wieder einmal hierher kommen, so wäre das Hotel „Altamare“ wieder erste Wahl.

Damit ist auf dieser Tour der letzte spanische Tag zu Ende. Morgen geht es nur noch nach Barcelona und dann mit der Fähre von Barcelona nach Genua. Am Freitag beginnt dann der zweite Teil mit dem Treffen aller Teilnehmer zur Korsika-Tour.

Heutige Fahrleistung ca. 160 km.


Mittwoch, 24.03.10
Fähralltag

Was unterscheidet einen routinierten Fährbenutzer von einem weniger routinierten wie Roy und Karen aus England, die ich bei der Warterei zur Einschiffung kennenlerne? Nun, die routinierten (also ich) kommen frühzeitig, gehen mit dem Internet-Ticket zum Check-Inn und
lassen sich die üblichen Papiere und Tickets ausstellen.

Die unroutinierten kommen auch frühzeitig, stehen mit dem Internet-Ticket in der Verladeschlange und stellen erst nach Aufforderung zum Einladen durch das Personal fest, dass sie keine gültigen Tickets haben, da das Internetticket dort nicht zählt.

Das Problem ist bald behoben und so fahren wir dennoch fast gemeinsam an Bord. Die für mein Motorrad genutzten Zurrgurte lassen mich auf angesagte Windstärke 12 schließen. Vermutlich würde mein Motorrad auch den Überschlag der Fähre gut überstehen.

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Die „Excelsior“ ist eine betagte Fähre, die wohl nur noch auf der „Afrika-Linie“ eingesetzt wird. Die Stationen heißen Tanger, Barcelona und schließlich Genua und so ist auch die Gastpopulation sehr bunt geprägt. Deutlich mehr Nordafrikaner als Europäer und dazwischen viele italienische Schüler und Schülerinnen im Teenageralter. Die meisten Vergnügungsstätten, die diese Fähre mal hatte sind geschlossen. Das Schwimmbad ist mit Sicherheit seit vielen Jahren nicht mehr benutzt worden, Gebetsteppiche an allen Ecken und Enden und dazwischen viele nackte Füße, kartenspielende LKW-Fahrer und relativ orientierungslose Bustouristen. Als Abwechslung dazwischen laufen auf Laptops mitgebrachte nordafrikanische Filme in einer für Laptops beachtlichen Lautstärke. Ein alternativer Aufenthalt in den Pullman-Sitzen ist mit Sicherheit das härtste, was sich ein normaler Mitteleuropäer an Fährüberfahrt in Europa antun kann.

Meine Kabine ist quasi auf der Spitze des Schiffes und ich habe noch keine Kabine gehabt, die weniger Geräusche und Vibrationen geboten hat. Was will ich eigentlich für 150 € mehr?

Heute steht noch führen des Reisetagebuchs, etwas lesen, Abendessen und dann ausschlafen auf dem Programm. Motorrad gefahren bin ich heute auch. Relativ problemlose rund 45 km von Sitges nach Barcelona. Insgesamt habe ich Frankreich und Spanien in diesen Tagen etwas weniger als 2.500 km zurück gelegt.

Mit Roy und Karen, die im Sommer auf einem Campingplatz in der Nähe von Venedig arbeiten, bin ich heute abend noch zum Bier verabredet. Karen hat wohl traditionell Schwierigkeiten mit Seekrankheit auf Fähren. Bis jetzt ist aber noch nicht einmal zu spüren, dass wir mit einem Schiff auf See unterwegs sind.

Roy und Karen finde ich heute nicht mehr. Dafür lerne ich einen Marokkaner kennen, der in Rom in der Bibliothek arbeitet und mir begeistert von Italien und seiner Familie erzählt. Sehr spät mit einem mittleren Koffein-Schock in die Kabine gekommen.

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3

Sunday, August 29th 2010, 12:48pm

Ein Stück Spanien im Frühjahr - Teil 3

Und hier der letzte Teil:

Donnerstag, 25.03.10
Portofino

Die Ankunft in Genua zeigt, dass Europa doch eine Festung ist. Die Fähre kommt 9.45 Uhr an und bereits vorher wird in Staatsanghörige der EU und außerhalb der EU selektiert. Wir „EU-Bürger“ müssen mindestens so lange warten wie die Anderen und erstmals habe ich bei einer EU-Binnenreise ein zusätzliches Papier auszufüllen. Hierauf knappen die italienischen Zöllner noch auf dem Boot ihren Stempel und den Zettel, dessen Zweck ich bis zum Schluss nicht erkenne, erhalte ich zurück.

Auch bei der Ausfahrt von der Fähre gibt es nochmals zwei Kontrollen des Zolls und die erste Frage lautet, ob ich von Barcelona oder Tanger komme. Ich bin nachträglich nochmals froh, dass ich die Koffer auf der Fähre abgeschlossen habe um zu vermeiden, dass mir irgend jemand „Stoff“ in den Koffer schmuggelt.

Über die Autobahn nehme ich Kurs auf Portofino, das meistphotographierte Dorf Italiens. Das Hafenpanorama ist wirklich hinreißend und obwohl eine exorbitante Rechnung droht, beschließe ich direkt am Hafen ein Mittagessen einzunehmen. Für den ¾ Liter Wasser, eine Meeresfrüchtesalat als Vorspeise und Spaghetti in Basilikumsoße sind immerhin 38 € fällig. Aber die Aussicht und Atmosphöre des Dorfes rechtfertigen alles.

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Die Wetteraussichten für Freitag Vormittag sind nicht berauschend und so fasse ich den Entschluss möglichst bereits in Nähe des Treffpunkts zu übernachten. Ich lande schließlich in Varezze ca. 10 km vor Savona. Im Hotel bzw. im Bus davor lerne ich Micha aus Österreich kennen. Er ist Busfahrer und wartet drei Tage vor Ort bis 50 österreicher von einer Kurz-Kreuzfahrt wieder an Land gespült werden. Gemeinsam ziehen wir in das Städtchen und nehmen in einer Bar eine große Menge Bier, Grappa, Ramazotti mit einigen Paninis ein. Die letzten gehen aufgrund des aus Sicht der Barbesitzerin unerwartet hohen Umsatzes auf das Haus. So haben wir wohl beide einen guten Deal gemacht und der Abend war der wunderbare Abschluß einer Tour, aus der ich sehr positiv gestimmt zur Korsika-Tour starten kann.

Den abschließenden Wein im Hotel zahlt er und so komme ich wohl mit dem höchsten Alkoholpegel der Reise viel später als üblich ins Bett. Heute bin ich mindestens 90 km gefahren und mindestens 3 km gelaufen. Eigentlich eine saubere Leistung.


Freitag, 26.03.10

Es ist soweit. Die Vor-Tour zu meiner eigentlich geplanten Frühjahrstour geht zu Ende. Heute Mittag treffe ich die Freunde, die aus Deutschland nach Savona kommen. Dann werden wir gemeinsam Korsika entdecken. Das ist aber eine andere Geschichte .....

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