Ein Stück Spanien im Frühjahr - Teil 1-3
Hallo Zusammen,
ein kurzer Bericht über einen schönen Frühjahrsausflug
Sonntag, 14.03.10
Abfahrt
Das Urlaubsjahr fängt mit turbulenten Entwicklungen an. Überraschend viele Resturlaubstage drängen auf einen baldigen Abbau. Der geplante Korsika Motorrad-Urlaub löst das Problem nach Ansicht der Personalabteilung nur teilweise und so beschließe ich vor der Korsika-Tour noch eine solistische Tour Richtung Spanien zu machen machen. Dies kombiniert mit einer Tour auf dem Jakobsweg ab der französisch / spanischen Grenze Richtung Santiago de Compostella. Treffen werde ich dann die Korsikaner voraussichtlich im Port von Savona (Italien) am 25.03.10.
Startpunkt der diesjährigen Frühjahrstour ist die Auto-Verladestation in Neu-Isenburg. Netterweise fährt mich mein Freund Dominik mit Mercedes und Anhänger dorthin, da das Wetter weiterhin bescheiden ist. So verladen wir 18.30 Uhr das Motorrad, ich steige in den Zug um 19.40 Uhr und gegen 21 Uhr verlasse ich Neu-Isenburg Richtung Süden. Die Reise verbringe ich mit einem 62jährigen Pensionär der Justiz, der bereits mit 38 Jahren aufgrund des Stresses dienstunfähig wurde und schon bei der Ausfahrt die erste Flasche Rotwein öffnet. Ich steuere den Schinken und das Brot bei und so beginnt eine sehr angenehme Fahrt durch die regnerische Landschaft.
Die letzten Wochen und Monate waren anstrengend und so schlafe ich trotz der Schüttelei kurz vor Mitternacht in einen relativ tiefen Schlaf.
Montag, 15.03.10
Alte Freunde
Bei Sonne und starkem Wind werden die Fahrzeuge in Narbonne gegen 11 Uhr entladen. Ich starte mit 0-km auf dem Tacho nach Moux, wo ich Susanne und Holger im Las Clauzes besuchen will. Zuvor verabrede ich mich in Narbonne mit einem Harley-Fahrer aus Verl, dass wir am Sonntag Abend im spanischen Burgos ein Bier gemeinsam trinken. Rudolf ist wie ich in Spanien alleine unterwegs und so freuen wir uns beide auf eine Verabredung.
Im Relais d`Alharic von Moux erhalte ich das letzte freie Zimmer und bin völlig überrascht. Obwohl es von außen weiter aussieht, als ob es jeden Moment zusammenbricht, ist das Alharic in den Gästezimmern top renoviert. Neues Bad, neuer Boden und neue – wenn auch völlig kitschige – Ausstattung.
[attach]12674[/attach]
Abends das gemeinsame obligatorische Abendessen mit Garnelen als Auftakt, dann dem üblichen Salat und als Hauptgang „beuf“ als Rundfleisch mit Broccoli-Auflauf und französischen Knödeln. Das abschließende Tiramisu konnte ich nur noch kosten. Hervorragende Küche mit hervorragender Unterhaltung im Kreis zahlreicher Motorradfahrer – was will man mehr !!
[attach]12675[/attach]
Nach dem obligatorischen Blog-Eintrag noch etwas den Tourenfahrer gelesen und gegen Mitternacht eingeschlafen. Wecker auf 7 Uhr gestellt, schließlich will ich etwas vom Tag haben.
Dienstag, 16.03.10
Lourdes
Nach einer wunderbaren Nacht - das Alharic hat wohl auch neue Matratzen gekauft – Frühstück im Maison las Clauzes mit den anderen Motorradfahrern. Danach geht es über Carcasonne (kurzes Bild an der Aude-Brücke) in die Vorpyrenäen. Der erste sehr sehenswerte Stopp in Mirepoix, ca. 40 km hinter Carcasonne. Nach dem Cafe au lait Weiterfahrt zur Garonne und dabei immer die verschneiten Pyrenäen im Hintergrund als Begleiter.
[attach]12676[/attach]
Nach rund 300 km komme ich am frühen Nachmittag in Lourdes an und beziehe mein Zimmer im Hotel „Nevers“ direkt an der Hauptstrasse von Lourdes. In den sehr beeindruckenden Kirchenbezirk sind es nur 5 Minuten zu Fuß und heute ist, trotz sehr schönen Wetters, kaum jemand da. So kann ich direkt in die Grotte laufen ohne von Ordnungshütern in Schlangen eingewiesen zu werden.
[attach]12677[/attach]
Die drei Kirchen übereinander sind mehr als beeindruckend. Erst beim rausgehen aus dem Gelände erkenne ich, dass die größte der Kirchen (also die vierte) unterirdisch im Garten angelegt ist. Dies ist die größte Kirche die ich jemals gesehen habe. Dagegen ist die Audienzhalle in Rom eine kleine Kapelle. Auf dem Rückweg ein Cafe au lait und Sandwich eingeworfen. Hunger verspüre ich heute sehr wenig. Die Fahrt war zu schön um solche Gefühle aufkommen zu lassen.
Und die in der Sonne geschätzten 20 ° Außentemperatur geben natürlich den wohlligen Rest.
Das mobile Internet ermöglicht einen Blick in das Abendprogramm. Um 21 Uhr ist die tägliche Lichterprozession ab der Grotte angekündigt. Also nochmals hin und im lauen Abend gewartet. Vieles gesehen, aber keine Lichterprozession. So stecke ich die erworbene Kerze in den vorgesehenen Kerzenständer und gehe gegen 21.30 Uhr zurück ins Hotel. Auf dem Gelände des Kirchenbezirks (55 Hektar !!!) waren am Abend mehr Menschen als am Nachmittag. Eine faszinierende Stimmung. Friedlich, ruhig und sehr tiefgehend. Ein sehr schöner Abend.
Danach zurück ins Hotel „Nevers“. Den Rechner aus dem Motorrad geholt, Reisetagebuch geführt und etwas gesurft. Die Mitfahrer sind vor der Abfahrt zur Korsika-Tour zusehends nervös. Das Wetter ist nicht so angesagt, wie wir gehofft hatten. Waren wir`s mal ab. Gegen 23.30 Uhr Licht aus und ins Bett. Morgen geht es nach Spanien.
Mittwoch, 17.03.10
Altlantik
Um kurz nach ½ 5 Uhr ist die Nacht zu Ende. Irgendein LKW macht mehrere Minuten einen Höllenlärm im verschafenen Lourdes. Nachdem es wieder ruhig ist, schlafe auch ich bis gegen ½ 8 Uhr. Nach dem obligatorischen Telefonat mit meiner Frau ("mir geht es gut","ja, ich pass auf mich auf", "ja, ich bringe auch etwas mit" und "ja, ich bin in drei Wochen wieder da) und einem petit d`jeuner Abfahrt Richtung Pau. Die ersten drei Tankstellen sind geschlossen, kurz vor Pau gibt es den ersehnten teuren Sprit, der mir gleich ins Gesicht spritzt. Weiter geht es Richtung Orthez und von dort ins Gebirge. Ein kleines Städtchen verbreitet unverhofft die Reize und so mache ich noch auf französischem Boden eine ausgeprägte Kaffeepause. Weiter geht es nach Bayonne und Biarritz. Bayonne ist nicht sehenswert, Biarritz in toller Lage sehr mondän. Auf dem spanischen Grenzschild ist „Espana“ ausgekratzt, ein deutlicher Hinweis auf die Separatisten im Baskenland. In San Sebastian verfahre ich mich und komme von der N1 ab. Gott sei Dank, denn so finde ich eine Traumstraße auf die Mueseums-Bergbahn (Talstation) mit einer gesperrten Straße aber einem Traumblick auf San Sebastian und über den Leutturm.
[attach]12678[/attach]
Weiter geht es zwischen der N 1 und dem Meer auf wunderbaren Straßen von denen nur zeitweise zu merken ist, dass diese unittelbar am Meer lang führen. Um 18 Uhr erreiche ich Mundaka, einen berühmten Surferort mit Europas bekanntester Welle. Dies ist unmittelbar vor der historischen Kapelle zu sehen, in den Bildern ist die draußen liegende Bohrinsel offensichtlich wegretuschiert. Nach zwei Bierra, leckeren Tappas und Calamares gehe ich kurz nach 21 Uhr zurück in die Appartmentanlage Mundaka. Diese hat, wie wohl der ganze Ort, seine beste Zeit schon erlebt. Allerdings ist das Bad tiptop und auch die Wohnung im Appartment ist für die rund 40 € in Ordnung. Zudem steht das Motorrad sicher in der Anlage. Was will ich mehr?
Heute waren es rund 320 km, die ich gefahren bin. Sehr abwechslungsreich mit den landschaftlichen Höhepunkten bei Biarritz und de letzten 40 km durch den spanischen Schwarzwald. Sehr beeindruckend und von mir in Spanien nicht erwartet.
Donnerstag, 18.03.10
Spanien
Um 7.30 Uhr startet der Tag. Das schöne Wetter ist vorbei, es sieht nach Regen aus. An der Halbinselspitze vorbei geht es in Richtung Bilbao. Ich beschließe aufgrund des einsetzenden Regens auf die Autobahn nach Haro zu fahren. Auf den Jakobsweg treffe ich in Santo Domingo de la Calanzara, wo die weltweit einzige Kirche ist, in der lebendige Hühner gehalten werden.
Anschlie0end fahre ich nach Burgos und bewundere Stadttor, Kathedrale, Klosteranlage und Pilgerdenkmäler.
[attach]12679[/attach]
[attach]12680[/attach]
Weiter geht es nach Leon nicht wissend, dass rund 180 km einsame Landstraße bevor stehen. Sehr beeindruckend und ebenso einsam. Nicht jedermanns Geschmack, aber einmal muss man es erlebt haben.
[attach]12681[/attach]
In Leon am ersten Hotel am Ort abgestiegen. Die 75 € incl. Motorrad-Garage gehen in Ordnung. Schließlich ist von hier alles erreichbar. Besonders eine sehr gemütliche und mit meiner Ausnahme ausschließlich von Spaniern besuchte Gastronomie.
[attach]12682[/attach]
Morgen früh werde ich entscheiden müssen, ob nicht langsam eine Kursänderung angeraten ist. Nach Santiago hin und zurück bis Barcelona ist ein sehr, sehr weiter Weg für die wenigen Tage. Und eigentlich will ich erholt in Italien ankommen.
Heutige Fahrstrecke rund 400 km.
Freitag, 19.03.10
Regen
Die Frage was einen nordspanischen von einem griechischen Landregen unterscheidet ist schnell beantwortet. Der nordspanische Regen kommt überraschend, ist intensiv und bleibt umso länger. Beim Aufwachen in Leon ist die Ernüchterung groß. Dauerregen, alles zugehangen und keine Aussicht auf schnelle Besserung. So löst sich der Traum von Santiogo de Compostela schnell auf. Weitere 350 km in den Westen sind bei dem Wetter und der gebuchten Mittwochfähre Unsinn. So entschlie0e ich mich den Rückwärtsgang einzulegen und den Campino bis Santo Domingo de la Calanzara retour zu fahren. Im strömenden Regen komme ich in der Templerkirche an, dessen Tip ich dem Tourenfahrer entnommen habe. Den Namen des Ortes habe ich vergessen, ich bin jedoch etwa in der Mitte zwischen Leon und Burgos mitten im Niemandsland.
[attach]12683[/attach]
In der dortigen Bar werde ich in die Geheimnisse der heimischen Griebenwurst eingeführt. Sehr fettig, in der Mikrowelle heiß gemacht und danach mit einem Stückchen Baguette serviert. Ein Schmaus für den der es mag. Übrigens: Caffee au lait heißt in Spanien Caffee Collette. Weiter geht es im Regen durch die eindringliche Landschaft der Marcheta. Vorbei bzw. mitten durch Burgos und dann immer weiter auf der N 120 – der „Campino de Santiago“, die allerdings mit dem Richtigen, teilweise heute völlig vermatschten Campino, nichts zu tun hat.
Die Pilger, die heute unterwegs sind haben meine ganze Bewunderung.
Am Ende des Tages komme ich erschöpft aber zufrieden in Zaragosa an. Hier am Ufer des Ebro ist nicht nur ein nettes NH-Hotel, sondern einer der für mich bisher beeindruckensten Plätze der Welt. Der Plaza de Pina beheimatet den Dom, eine weitere Prachtkirche, das sehr moderne Tourist-Info und viele Gebäude der hiesigen Regierung. Am Abschluss thront ein Brunnen (oder eher Wasserfall oder Wildbachlauf) von einmaliger Dimension, der nicht nur beliebtes Photomotiv und im Sommer kühlender Spender ist.
Kulinarischer Höhepunkt ist im spanischen Mc Donald, dem auf Tappas spezialisierten Las Palomas. Hier gibt es alles was das spanische Herz begehrt. Fisch, regionale Spezialitäten, Gambas, Muscheln, Fleisch, Obst und süße Nachspeise. Das ganze für 12,50 € das Buffet, mit einer ¾ Liter Flasche Wein und ½ Liter Wasser zahle ich am Ende rund 19 €. Eigentlich geschenkt !!
Im Hotel zurück geht es an die Führung des Tagebuchs. Petra noch zum Geburtstag gratuliert und am späten Abend noch mit Zuhause telefoniert.
Heute rund 500 km unterwegs gewesen. BMW sieht aus wie nach einer Schlammdurchfahrt.
This post has been edited 1 times, last edit by "Clemens HD" (Aug 29th 2010, 12:55pm)