Hallo Deauviller,
die Zeit ohne Motorrad und der Ärger über einen Minister verlangen einen Ausgleich. Was ich hier berichten möchte, das war zwar keine Motorradfahrt, aber wir haben mit einem geländegängigen Wohnmobil ein fahrunfähiges Motorrad aus Isfahan/Iran abgeholt. Die Abholung mittels ADAC scheiterte,so daß Alfred, der Unglücksvogel, der einige Monate zuvor die GS in voller Fahrt gegen einen LKW gesetzt hatte (doch Glücksvogel, normalerweise hätte er tot sein müssen!) die Trümmer selber wieder abholte. Das mußte sein um einen sehr hohen Einfuhrzoll zu vermeiden und das Carnet de Passage beim ADAC wieder auslösen zu können.
Meine Rolle dabei war Begleiter, Unterhalter, Koch, Tourguide, einfach alles. Noch eine Anmerkung: Wenn hier von "einem Khomeini" die Rede ist, so ist ein Geldschein mit Wert 10.000 Rial gemeint, der das Bildnis des Ajatolla trägt. Das waren seinerzeit ca. DM 2,70 (2002)
Hier ein Auszug aus meinem Tagebuch:
Dienstag, 02. Juli 2002
Übernachtung in Täbris (Iran), Camping im Vergnügungspark El Goli
Pos. N 38° 01,517' E 046° 22,066' Höhe 1.652 Meter
Tageskilometer 329
Am Abend schon hatte ich die Uhren um 1 ½ Stunden vorgestellt. Um 6 Uhr Iranischer Zeit, das war nach unserem Zeitgefühl 4:30 Uhr, standen wir auf, um 7 Uhr waren wir an der Gren-ze. Kurz vor Gürbulak, der Türkische Grenzort, wurden die Fahrzeugdaten in ein dickes Buch eingetragen. Beschäftigungstherapie für die Wachsoldaten??
An der Grenze mußte Alfred beim Auto bleiben und ich mußte zu Fuß durch. Das ging recht schnell und somit war ich schon vor Alfred auf der anderen Seite. Mein Paß verschwand in einem Riesenstapel. Das konnte ja heiter werden! Dann plötzlich die Frage "PASSPORT?"
"The red one!" Und ruck zuck war er gestempelt.
Somit konnte ich in Ruhe Geld wechseln. Für EURO 50 bekam ich 380.000 Rial und ein paar Münzen. Somit kostete ein Khomeini ca. DM 2,60 bzw. EURO 1,32. Nachdem ich andere Männer beim Geldwechsel sah, sie tauschten in der Regel je einen Khomeini in Türkische Lira, da fand ich schon, daß wir sehr, sehr reich waren. Der Wechselvorgang war ein eigenes Erlebnis. Der EURO-Schein wurde sehr sorgfältig auf Eselsohren und Verletzungen geprüft, die Seriennummer mußte ich auf dem Wechselbeleg eintragen. Ich hatte schon das Gefühl, daß der Wechselvorgang eine besondere Gnade war.
Die Fahrzeugdaten wurden sorgfältig mit dem Carnet verglichen und dann kam der Zoll! Der Mann kruschte solange im Fahrzeug rum, bis er den Kühlschrank entdeckt hatte und gleich vier Bier herauszog. Damit der Vorgang nicht "offiziell" wurde, winkte er einen Zivilisten herbei, der das Bier in einer Tüte verstaute und damit verschwand. Das war für beide Seiten sehr vorteilhaft. Wir hatten keine Probleme mit einer Anklage wegen Schmuggel und der Zöllner hatte für sehr viel Geld was zu verkaufen!
Gut, daß wir uns vorher über die Lagerstellen für unser Bier unterhalten hatten. Alles was unter dem teils schmutzigen Werkzeug unterzubringen war, das versteckte ich dort. Nur für die vier Dosen fand ich keinen Platz. Daher plädierte Alfred dafür, sie ganz offen im Kühl-schrank zu lagern und uns im Falle der Entdeckung einfach dumm zu stellen. Das war wahr-scheinlich auch der beste Weg. Wenn der Zöllner im Kühlschrank nicht fündig geworden wä-re, dann hätte er u.U. das ganze Auto auf den Kopf gestellt!
Wir dachten, das war's! Aber nein, an der letzten Schranke verlangte der Zöllner von Alfred noch eine Kopie von Paß mit Visum und Carnet. Damit war das Carnet insgesamt fünf Mal kontrolliert und registriert worden!
Auf der Suche nach einer Versicherung wurde Alfred nicht fündig und so beschloß er, den Worten seines Versicherungsagenten zu glauben, daß seine Versicherung auch in Iran gültig sei. Wir waren nach 2 Stunden und 45 Minuten Grenzabfertigung fertig. Dafür, daß wir ohne professionellen Grenzhelfer gearbeitet hatten, war das flott gegangen!
Gleich nach der Grenze, in Maku, da sahen wir wieder den großen Wasserhahn, der Alfred bei unserem ersten Besuch so imponiert hatte.
Nach einer ruhigen Fahrt kam DAS ERLEBNIS: Tanken! Bei Kilometer 6.362 eine Tank-stelle, 72,9 Liter Diesel (das war kurz vor dem Stillstand!). Ich zahlte Rial 9.500, das waren
DM 2,47 ! Das ist kein Rechenfehler!
Kurz danach die erste Polizeikontrolle. "Where are you from? You are welcome!
Gegen 11:15 Uhr hielten wir zum Mittagessen: Nudeln mit Rindsgulasch (da soll einer sagen, wir könnten uns den Gepflogenheiten des Gastlandes nicht anpassen!).
Beim Abwasch bekamen wir Besuch: Ein Mann, der schon länger mit offener Motorhaube seines Wagens am Straßenrand wartete. Kühlwasser fehlte. Der Kühler muß fast leer gewesen sein, beinahe 10 Liter gingen rein! Er hatte sich verkalkuliert, bislang reichte der Wasservor-rat immer bis zur nächsten Wasserstelle. Er bedankte sich sehr herzlich für unsere Hilfe.
Unser Ziel war der Campingplatz im Vergnügungspark El-Goli in Täbriz. Ich hatte die Positi-on im GPS. Mit diesem Wissen und der Erinnerung war es ganz leicht, die Stelle zu finden. Immer Richtung Tehran, bei der Ausfahrt El-Goli raus und unter der Brücke durch. War ganz einfach!
Wir wollten hier nur die Sanitäranlagen benutzen dürfen, ansonsten wieder im Auto schlafen. Der Platzwärter verlangte Rial 80.000 für eine Nacht und unsere Pässe. Da ich ihn gleich
-unter Protest wegen des Preises- bezahlte, hatte er meiner Ansicht nach keinen Anspruch auf die Pässe. Wir verlangten sie sofort zurück, ohne Paß wollten wir nicht in die Stadt gehen.
Zum Preis schrieb mir Hossein:
Dear Karl!
I am really gald to hear from you!I imagined you have
forgotten me,because it is long time since I sent you
e-mail about my retirement,and new activities.
As I have announced already I need your help,and
support,by writing your view about my sevices at the
border on those days.I am sure you agree your kind
recommendations ,and views are very important for my
newly established website!
Arno from Holland was too kind to design the site free
for me ,because he believes my help for tourist is
very
important in Iran!Even my daughter helped the group in
some way!
The bastard has charged 20000 rials more than the
fixed
price in El goli camping,I warned him,he promised in
your next time you will be his guest!
Why you didn,t get in touch with me ,because my home
is
near the camping,it would have been a great preasure
to
see you once more!Whom you were travelling with?And
what was the car?
If you have the chance to contact the other motorbike
group in your previous trip all of you may share the
letter I beg you write to Arno with some pictures!
For doing so please check the experiencs section in my
site you can see how some people have done it already!
Please do it a bit quickly ,because it is the time of
tourism in Iran,and it is a great help for me!For
compansation you are invited to my family for the
dinner or lunch in your next travel to Iran!
I wait to hear from you. Hossein
P.S.My site:
http://iranoverland.tripod.com
Das hat mir im Nachhinein noch gut getan! Weil ich diesen Preis nicht glauben konnte, ließ ich mir eine Quittung geben. War zwar nicht einfach, aber durchsetzbar. Zum besseren Ver-ständnis übersetze ich den Preis für eine Nacht in Diesel:
Das waren 613,9 Liter Diesel für eine Nacht!!
Wir fuhren jedenfalls mit einem Taxi in die Stadt zum Basar und zahlten dafür einen Kho-meini ohne weiter zu handeln.
Im Basar wurde Alfred gleich von einem Mann angerufen, er kannte ihn vom Vorjahr noch. Für östliche Augen war diese massive Gestalt mit roten Haaren natürlich nicht zu übersehen.
Unser Abendessen wollten wir im Sommerpalast in El-Goli einnehmen. Das ganze war nicht so mein Geschmack, Pizza schmeckt bei mir zu Hause anders. Aber, was soll's, wir waren ja auch in Iran! Für das Essen mit Vorspeise zahlten wir Rial 35.000 (das sind 268 Liter Die-sel!). Was ist der TOYOTA doch so genügsam! Wie gern hätte ich Spaghetti gekocht!!!!
Ich benutze die "Ersatzwährung Diesel" bewußt. Für Iraner kostet auch Treibstoff viel Geld.
Gegen 21:30 Uhr kommt ganz Täbriz ins El-Goli, Decken wurden ausgebreitet, Schuhe aus-gezogen und dabei traf sich die ganze Familie, genoß den Abend. Auf dem kleinen Teich fuh-ren die Menschen mit einem Boot mit Außenbordmotor, ließen sich "gefährlich" schaukeln.
In den Fensternischen außen des Sommerpalastes saßen ganze Familien und verspeisten Mit-gebrachtes. Viel Verkehr auf dem Parkplatz, viele Autos in Dunkelheit bewußt ohne Licht. Bewußt? Ja, ich sah viele Autofahrer, die das Licht beim Verlassen des Parkplatzes löschten!
Bei der Rückkunft am Campingplatz jammerte der Pförtner wieder nach den Pässen. Hat er aber nicht bekommen, trotz seiner ständigen Drohung mit der Police.
Im Auto konnten wir wieder sehr, sehr gut schlafen!
Gruß janus